Bildungsfahrt nach Oświęcim/Auschwitz 2017

von Moritz Trabe

Bereits im Jahr 2015 kam bei der Jahresplanung der Termine für Seminare, Freizeiten und anderer Aktivitäten die Idee auf, eine Fahrt zum Konzentrationslager Auschwitz zu unternehmen, um etwas über die Menschenrechtsverbrechen zur Zeit des Nationalsozialismus zu erfahren und um uns mit der braunen Vergangenheit Deutschlands auseinanderzusetzen.
Für das Folgejahr war dieser Plan nicht mehr zu realisieren, weshalb ein näher gelegenes Ziel gesucht wurde. Daraufhin entschieden wir uns für einen Besuch des KZs in Sachsenhausen.

In diesem Jahr wurde schließlich der Plan einer Fahrt nach Auschwitz aufgewärmt und eine entsprechende Fahrt vorbereitet. Mit 25 Teilnehmenden aus der evangelischen Jugend Braunschweig ging es dann am 25. Juli mit dem Zug nach Warschau, wo wir einen Stadtrundgang unternahmen und in einem Hostel die Nacht verbrachten.

 

Am nächsten Morgen ging es weiter in die polnische Stadt Oświęcim (zu Deutsch: Auschwitz), wo wir in der internationalen Bildungsstätte Quartier bezogen. Abends erklärte uns Ela (eine Mitarbeiterin des Hauses), wie die Bildungsstätte entstand und welche Arbeit dort geleistet wird.

Am Folgetag besuchten wir dann die Gedenkstätte in Auschwitz, genauer gesagt das Stammlager I. Dort bekamen wir eine Führung von einem Mitarbeiter der Gedenkstätte über das von Stacheldraht eingezäunte Gelände und durch einige Wohnblöcke, in denen Ausstellungen waren und einen Eindruck über den Lageralltag der Häftlinge, ihre Arbeit, ihre Behandlung bis hin zu Strafen und Arten der Ermordung vermittelten. Die Bilder von unterernährten Menschen, Bergen aus Haaren, die den Häftlingen abgeschnitten wurden, um sie zu verkaufen und leeren Blechdosen mit der Aufschrift: „Giftgas“ werden wohl noch lange in unseren Köpfen bleiben.

Am Ende des Tages kam es zu einem Zeitzeugengespräch mit einem Auschwitz-Überlebenden, der uns über seine Zeit als Gefangener berichtete und dabei die unmenschlichen Zustände im Lager beschrieb. Auch dieser Bericht machte uns nachdenklich und es brauchte Zeit, das Gesagte zu verarbeiten.

Am 4. Tag ging es mit dem Bus in das Lager Auschwitz II Birkenau, dem größten deutschen Vernichtungslager während der NS-Zeit. Auch hier erwartete uns wieder der Mitarbeiter der Gedenkstätte, um uns an mehreren Stationen einen Einblick in die Geschichte des Lagers zu geben und auf die Verbrechen aufmerksam zu machen, die dort verübt wurden. Der Blick in die Schlaf- und Sanitärbaracken aus Holz ließ nur Vermutungen über die hygienischen Zustände im Lager zu und machte uns betroffen. Allein die Ausmaße des Areals und die Vorstellung, dass dort in vier Jahren über eine Million Menschen ihren Tod fanden, sorgten für allgemeine Bestürzung.

Für den 5. Tag war eine Stadtführung durch Oświęcim geplant und wir sahen eine Stadt, die trotz einer sehr vorbelasteten Geschichte nicht den Eindruck von Melancholie oder Trübsinn vermittelte. Lediglich der Besuch einer ungenutzten Synagoge rief einem die Historie der Stadt wieder vor Augen. Spontan entschieden wir uns, am Abend gemeinsam den Film: „Schindlers Liste“ zu sehen und rundeten damit den letzten Tag in Polen ab.

Sonntag fuhren wir mit Bus und Zug nach Berlin. Dort ging es am Abend in das Regierungsviertel, wo ein Freilichtkino einen Film über die Geschichte der Demokratie in Deutschland zeigte. Der Film behandelte die Geschichte des Parlamentarismus in Deutschland beginnend mit der Kaiserzeit Ende des 19. Jahrhunderts über die Zeit des NS-Regimes, deutsche Teilung, Wiedervereinigung und bis heute.

Anschließend gab es für die Gruppe die Gelegenheit in einem jüdischen Restaurant koschere Speisen zu probieren – eine sehr leckere Erfahrung!

Einen Tag später stand der Besuch der Gedenkstätte: „Stille Helden“ auf dem Tagesplan. Die Ausstellung erinnert an jene Menschen, die verfolgten Juden Versteckmöglichkeiten boten und diese versorgten. Es wird über die Zwangslage der Juden angesichts der drohenden Deportationen informiert und Möglichkeiten der Rettung sowie Motive der Retter beleuchtet.
Am 1. August war es dann Zeit für die Heimreise und die Gruppe kehrte nach Braunschweig zurück.

Für alle Teilnehmenden war diese Woche voller tiefgreifender Eindrücke und Emotionen. Obwohl uns selbst keine Schuld an den begangenen Verbrechen trifft, war es ein beklemmendes Gefühl, sich so intensiv mit der deutschen Vergangenheit zu beschäftigen. Es bleibt unvorstellbar, welche Macht eine Ideologie über Menschen haben und was blinder Gehorsam für weitreichende Folgen haben kann.

Neben all dem Negativen war die Zeit aber auch durch wertvolle Begegnungen und Gespräche geprägt, die uns halfen, die Erlebnisse zu verarbeiten und daraus Erfahrungen zu gewinnen, die für die Gestaltung unserer Zukunft von Bedeutung sein werden.